ALL YOU CAN EAT
Aktion, i.Z.m. Stephanie Marek

Das Projekt all You can eat, welches im Rahmen der Kunsttage Lindenow im Ausstellungsraum Praline in Leipzig gezeigt wurde, bestand aus einem einladend und üppig angerichteten Buffet, drei Sinusklängen im Subfrequenzbereich und einem starken Buttersäuregeruch.
Vernissagen haben einen hohen gesellschaftlichen Reiz, man trifft sich, nicht nur wegen der Kunst, sondern vielmehr auch um Kontakte zu pflegen, zu trinken und zu essen und um sich im kreativen Ambiente wohl zu fühlen. Durch den Geruch und den anhaltenden Subbass entstand eine äusserst unangenehme Stimmung im Ausstellungsraum, welche Übelkeitsempfindung und Ekel bei den Besuchern auslösen konnte. Laut des amerikanischen Psychoanalytikers Paul Rozin erfüllt Ekel eine soziale Funktion und dient der Abgrenzung zu anderen sozialen Gruppen und Kulturen. Ekelauslöser könnten sich im Laufe der Zivilisation so stark vervielfältigt haben, dass ihre einzige Gemeinsamkeit nur noch darin besteht, dass „anständige“ Leute nichts damit zu tun haben wollen. Natürliche Ekelauslöser als Schutzmechanismus haben sich in der modernen
Gesellschaft so multipliziert, dass heute Ekel dazu dient, unsere genetische Verwandtschaft mit Tieren zu verdrängen, denn „animalisches“ Verhalten werde beim Menschen generell als ekelhaft bewertet. Somit könnte man sagen, dass Ekel zu einer moralischen Emotion und einer Form von negativer Sozialisation wird. Wir versuchten durch das mögliche Auslösen von Ekel und Übelkeit innerhalb des Vernissagegefüges besagten Widerspruch zwischen Naturverhalten und Kultur zu unterstreichen.
Das Essen, welches nur innerhalb des Ausstellungsraumes zu sich genommen werden durfte, wurde trotz allem fast komplett verzehrt. Wir danken ENK Catering für das Sponsoring des Buffets.

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